Smart Mirror

Durch Zufall bin ich vor etwa einem dreiviertel Jahr auf Max Braun´s Projekt „My bathroom mirror is smarter than yours“ gestoßen. Und sofort stand fest: So einen Spiegel muss ich auch haben! Der Zeitpunkt war günstig, denn unser Badezimmer sollte sowieso komplett renoviert werden.

Nach meinen ersten Überlegungen wollte ich für den Smart Mirror einen meiner Raspberry Pi verwenden. Und dazu ein passendes Display oder einen geeigneten zerlegten Monitor. Allerdings fand ich nach reiflicher Überlegung die Lösung mit Display und Raspberry Pi viel zu fummelig und aufwändig. Display und Pi hätten mit Strom versorgt werden müssen und das Display muss ja auch irgendwie mit dem Pi verbunden werden. Das musste doch auch einfacher gehen.

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Warum nicht einfach ein Tablet nehmen? Gesagt, getan und in der Bucht ein gebrauchtes Exemplar in 10 Zoll für schmale Mark gekauft. Für die Stromversorgung reicht dem Tablet ein einfaches USB-Netzteil. Wegen der geringen Bauhöhe habe ich etwas suchen müssen, aber dann bei Amazon ein für meine Zwecke passendes USB-Netzteil (equinux tizi Tankstelle mini) gefunden. Denn idealerweise sollte die Steckdose mitsamt USB-Netzteil hinter dem Spiegel verschwinden.

Mit dem halbdurchlässigen „Spionspiegel“ habe ich mich etwas schwer getan, denn da fehlte mir natürlich die Erfahrung. Solche Spiegel bekommt man auch nicht einfach so im Baumarkt. Dafür sind die zu speziell. Nach einigem Suchen und viel Zögern habe ich dann einen Spiegel online bei www.myspiegel.de quasi blind bestellt. Einen normalen Spiegel kennt jeder; einen Spionspiegel bestenfalls aus Film und Fernsehen (Verhörraum). Auch war der Spiegel das teuerste Bauteil meines Smart Mirror. Der Vorteil war jedoch, dass ich den Spiegel genau auf Maß bestellen konnte.

Zwischenzeitlich hatte ich mir eine fertige HTML-Seite mit etwas PHP, CSS und Javascript zusammengestellt. Das Aussehen glich stark dem Original von Max Braun, denn die Aufteilung in Wetter-, News- und Uhrzeit-/Datumsbereich gefiel mir sehr gut. Durch das Ausprobieren verschiedener RSS-Feeds und API-Wetterschnittstellen habe ich schlussendlich den für meine Zwecke passenden Code erstellt und als Seite auf meinem Webspace abgelegt. Darauf konnte jetzt mit jedem Browser zugegriffen werden. Und die Seite aktualisiert Wetterdaten und Nachrichten alle fünf Minuten selbstständig.

Weitere Informationen zur HTML-Seite im zweiten Teil des Projekts.

Damit beim Anzeigen der Wetterseite die störenden Android-Button/Steuerelemente ausgeblendet werden und die Seite im Vollbildmodus angezeigt wird, habe ich nach einer passenden Kioskmode-App gesucht. Relativ schnell bin ich nach einigen Versuchen auf die App Fully Kiosk Browser gestoßen, die genau das macht, was ich mir vorgestellt hatte:

  • Vollbildmodus
  • Keine Android-Steuerelemente
  • Hinterlegen einer festen URL
  • Werbefrei und idealerweise kostenlos

Die App wird nach der Einrichtung gestartet und zeigt von da an stetig die sich selbst aktualisierende Wetterseite an. Läuft 😉

Jetzt war das Tablet mit Stromversorgung fertig, die Wetterseite lief und der Spiegel wurde dann auch nach einigen Wochen geliefert (bruchsicher verpackt per Spedition). Kleines Problem mit dem Spiegel: Der Spionspiegel war viel schwerer als angenommen. Schaut man sich den Spiegel genauer an, dann scheinen hier im Grunde zwei Spiegel aufeinander geklebt worden zu sein. Dadurch ist diese Art des Spiegels einerseits Lichtdurchlässig und andererseits spiegelnd.

Wie bekomme ich den Spiegel jetzt an die Wand? Das hatte ich mir natürlich vorher auch schon überlegt und auch einige Varianten im Netz angesehen. Viele haben der Einfachheit halber einen Holzrahmen um den Spiegel gebaut und diesen dann mit dem Display dahinter an der Wand befestigt. Das fand ich ehrlich gesagt wenig schick und passte auch überhaupt nicht zu dem frisch renovierten, modernen Badezimmer. Mein Plan war, den Spiegel mit zwei Scharnieren an einem Holzrahmen zu befestigen. Der Holzrahmen sollte dabei rundum etwa 3-4 Zentimeter kleiner sein, als der Spiegel. Ursprünglich wollte ich die beiden Scharniere mittels geeignetem Kleber links oder rechts am Rahmen befestigen. Den Spiegel hätte man dann wie eine Tür öffnen können um an das Tablet zu kommen. Aufgrund des überraschend hohen Gewichts habe ich den Plan aber verworfen und die beiden Scharniere auf der Oberseite des Rahmens befestigt und entsprechend mit dem Spiegel verklebt. Jetzt lässt sich der Spiegel von unten nach oben aufklappen und die Hebelwirkung durch das hohe Gewicht auf die beiden Scharniere ist wesentlich geringer als bei seitlicher Montage. Man muss jedoch darauf achten, dass der Überstand des Spiegels über den Rahmen kleiner ist, als die Höhe des Rahmens. Ansonsten lässt sich der Spiegel nicht oder nicht richtig öffnen, weil der Spiegel beim Aufklappen an die Wand stößt.

Jetzt noch den Rahmen mit dem Spiegel verbinden und an der Wand festschrauben. Das Tablet habe ich mittels Klettband an der rückwärtigen Wand befestigt. Sah schonmal nicht schlecht aus. Aber es hat im Film schon seinen Grund, dass der Raum auf der einen Seite des Spiegels hell erleuchtet und der andere eher dunkel ist. Sonst kann man nämlich von beiden Seiten hindurchsehen. Und das ist bei einem Spionspiegel ja eher suboptimal. Daher habe ich den Rand des Holzrahmens und den inneren Bereich hinter dem Spiegel mit schwarzer Farbe gestrichen. Vorher schimmerte immer noch die weiße Wand durch. Und den Rand des Spiegels, der über den Holzrahmen hinaussteht, habe ich von hinten mit schwarzer Folie beklebt. Fertig.

Materialliste/Kosten:

  • 10-Zoll-Tablet, gebraucht = etwa 40 Euro
  • USB-Netzteil (equinux tizi Tankstelle mini, ASIN B01952UEBS) = 14,99 Euro
  • Spionspiegel 40 x 55 cm = etwa 70 Euro
  • Holzlatte 37×15 mm für den Rahmen = etwa 1 Euro
  • 2 Metallscharniere = etwa 3 Euro
  • USB-Kabel für Stromversorgung = gehörte zum Lieferumfang des Tablets
  • Geeigneter Kleber für die Verbindung von Metall/Glas (Power Pritt Alleskleber)
  • Schwarze Wandfarbe = etwa 5 Euro
  • Schwarze selbstklebende Folie = Rolle für etwa 6 Euro
  • Holzleim und Schrauben für den Rahmen

Hier ein paar Bilder von meinem Smart Mirror. Leider hatte ich große Schwierigkeiten, den Spiegel vernünftig zu fotografieren. Es spiegelte hat wie verrückt. Ich hoffe, man kann es trotzdem erkennen. Wenn man davor steht, sind die Daten auf dem Tablet natürlich viel besser zu lesen. Das menschliche Auge korrigiert da sehr viel, was die Kamera leider nicht kann:

Mein Smart Mirror in der Totalen.
Hier noch etwas näher. Da sieht man die Daten auf dem Tablet schon deutlich besser:
Und hier mit geöffneter Haube. Erkennbar ist rechts das USB-Netzteil und oben am Rahmen die beiden Scharniere. Auch der auf der Rückseite des Spiegels abgeklebte Rand ist gut zu erkennen.
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